Die Alfas Waldjugend am tropischen Pazifik

ForestFinance fördert ein Umwelterziehungsprojekt in Panama

Tief im Westen Panamas, in Las Lajas, gibt es nicht nur die ForestFinance-Wälder, sondern auch Schulen mit vielen lernbegierigen Schülerinnen und Schülern. Dass Umwelt und deren Schutz für sie ein interessantes Thema sein kann, entdeckten ihre Lehrer auf einer Veranstaltung von ForestFinance. Sie sprachen uns an und seitdem arbeitet ForestFinance auch ab und an als Lehrkraft. Natürlich tun wir das nicht in der Schule – wir bringen die Schule in den Wald.


Dies ist die Schüler AG "Grupo Alfa" mit Lehrern und Mentoren auf dem Weg zur ForestFinance-Finca Los Monos.

Vorsichtig berührt der Sekundarschüler Javier die Rinde des Baumriesen. Dann nimmt er den gelben Schutzhelm vom Kopf und mustert die Krone. Ist er es oder ist er es nicht? Auch ein Abgleich mit dem Steckbrief, den sein Freund in der Hand hält, verschafft ihnen keine endgültige Klarheit darüber, ob es sich bei besagtem Baum um einen Amarillo oder einen Almendro handelt. Weit und breit, oben und unten sind keine Früchte und keine Blüten zu sehen. Das macht die Einordnung echt schwer. Javier und sein Freund gehören zur Grupo Alfa, der Umwelt-AG, die von ForestFinance unterstützt wird.

Die Umwelt-AG Grupo Alfa und ihre Geschichte

Die Alfas – das sind etwa dreißig Schüler verschiedener Jahrgangsstufen der Sekundarschule von Las Lajas. Dieser kleine Ort liegt im Westen Panamas, ganz in der Nähe des Pazifiks. Angeregt wurde die Gründung der Gruppe von zwei Lehrern, die an einer ForestFinance-Veranstaltung zum Thema Umwelt am „Tag des Umweltbewusstseins“ teilnahmen. Seither unterstützen die ForestFinance-Mitarbeiter  in Panama die motivierten Schüler inhaltlich und logistisch bei der Durchführung verschiedener Projektideen. Den Namen Grupo Alfa haben sich die Schüler übrigens selbst gegeben. Alfa steht für Anfang, war ihre Erklärung. Denn die Gruppe stehe an einem "wundervollen Anfang", um mehr über Natur und Umwelt zu erfahren.

Bei der Waldrallye galt es Baumarten anhand ihrer Steckbriefe zu identifizieren.

Ein Tag im Wald

An diesem Tag ist die Grupo Alfa auf einem Naturlehrpfad unterwegs, den ForestFinance auf der über 13 Jahre alten Finca Los Monos angelegt hat. In dem tropischen Klima ist die Wachstumsgeschwindigkeit der Bäume atemberaubend. Und obwohl der Waldlehrpfad sowohl durch aufgeforstete Bereiche als auch zu Restinseln des ursprünglichen Waldes führt, ist es für Laien kaum möglich zu erkennen, wo der alte Wald endet und der junge beginnt. Tiere tummeln sich allerorten. Die Schüler freuen sich über die Tukane mit ihren großen bunten Schnäbeln und dem glockenartigen Ruf und über die grünen Papageien, die über den Wald flattern.  Am meisten Spaß haben sie aber an den Kapuzineraffen, die hoch über ihren Köpfen turnen. Bezeichnenderweise bedeutet ‚Los Monos’, der Name der Finca, „die Affen“.

Ein Tag in der Schule

Im April organisierten die Alfas eine Veranstaltung zum Tag der Erde. Die fand im etwas engen Informatikraum der Schule statt, wo Lehrer und Mitarbeiter von ANAM, der panamaischen Umweltbehörde, Wissenswertes über den Wald und seine Bewohner vermittelten. ForestFinance stellte seine Aufforstungsprojekte mit einheimischen Baumarten vor und informierte über CO2-Bindung. Sehr ansprechend und sogar künstlerisch wertvoll waren die Beiträge der Alfas. Sie hatten kunstvolle Collagen zum Thema gefertigt und Papierbögen mit zuvor auf dem Schulgelände gesammelten Materialien beklebt. Sie hatten die Kunstwerke bemalt und beschrieben – und das bei 35 Grad im Schatten und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit! Anschließend wurden die fertigen Werke präsentiert und erläutert. Jeder bekam einen von ForestFinance gespendeten Preis. Janina, die Siegerin, – übrigens die Tochter eines unserer Mitarbeiter vor Ort – gewann einen Atlas als Hauptpreis.

Das Ende einer Rallye

Janina ist auch bei der Ralley auf Los Monos dabei. Das Identifizieren der Baumarten auf dem Naturlehrpfad ist nicht nur für den eingangs vorgestellten Javier nicht leicht. Das ist für die meisten Schüler neu und deswegen auch etwas schwierig. Und so ist Don José, ein langjähriger und erfahrener Forstarbeiter von ForestFinance, der ehemals das karge Grasland von Los Monos bepflanzt hat, ein gefragter Mann. Er begleitet die Alfas auf dem Lehrpfad und wird mit Fragen bestürmt. Er versteht es, die Antworten mit interessanten Geschichten zu verschiedenen Holzeigenschaften, medizinischer Nutzung von Blättern und Rinden und Weisheiten aus alten Zeiten anzureichern.


Janina erhielt für ihre schöne Collage den Hauptpreis, einen Atlas. Sie und ihre Freunde tragen die von ForestFinance gespendeten Kappen mit dem Logo der Grupo Alfa.

Aber auch er bekommt einige interessante Geschichten zu hören. Ein Alfa erzählt Don José von einem Onkel, der vor Jahren kopfschüttelnd nach Hause kam und von Ausländern berichtete, die reihenweise Bäume auf Viehweiden pflanzen würden. Der Onkel hätte kein Verständnis für diese merkwürdigen ausländischen Aktivitäten aufbringen können und hätte diese lakonisch kommentiert: „El palo no se come“ – den Baum isst man nicht.

Stimmt – Bäume isst man nicht, aber man kann viel über sie lernen

Die Finca Los Monos liegt nah am Meer, dessen Brandungsrauschen bis hierher unter die Baumkronen dringt. Ein Pfad führt zu einem Mangrovenwald, der einen in den Pazifik mündenden Fluss säumt. Viele der Alfas sehen zum ersten Mal diese hochspezialisierten Bäume auf den bizarren Stelzwurzeln. Dabei wachsen sie in unmittelbarer Nähe ihres Dorfes. Winkerkrabben huschen in ihre Löcher, missbilligend mustert ein weißer Reiher die fröhliche Schar von seiner Warte aus. Don José erzählt vom Nutzen der Mangrove und ihrer Rinde, die bei der Lederverarbeitung verwendet werde. Ihr Holz sei fast so hart wie Eisen und gehe wie das Metall im Wasser unter. Das wusste bisher keiner der Alfas. Dann raschelt es plötzlich im Kronendach. Eine Herde Cariblancas, eine Affenart mit auffällig weißer Maske, tobt durch die Wipfel. Da stimmt Don José den Affenruf an, der irgendwo zwischen dem krächzenden Geschrei der Papageien und dem Jaulen eines Hündchens liegt. Die Affen reagieren, die Alfas sind begeistert und üben nun allesamt den Affenruf. Don José schmunzelt. Und die Alfas? Sie haben schon wieder was gelernt.

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