Zeig mir den Weg zum Amarillo

Deutsche Investoren besuchen ihre Finca in Darién

Von Silke Berger

Wo bleibt Jesus? In einer viertel Stunde müssen wir am Hotel sein, unsere Kunden Petra und Frank Bettgenhäuser warten auf uns! Sie sind gestern aus Miami angereist und wollen heute ihre Finca im Osten Panamas besichtigen. Endlich kommt er. Es geht ihm nicht gut. Der Magen macht ihm zu schaffen, trotzdem will er uns unbedingt fahren. Unter dem Hemd hat er sich eine Zeitung auf den Bauch gebunden. Das hilft den Magen zu beruhigen, erklärt er mir.

Petra und Frank Bettgenhäuser neben einem Baum in der Naturschutzzone ihrer Finca Meteti I

Wir holen Bettgenhäusers ab und verlassen Panama City in östlicher Richtung. Die Autobahn führt über eine lange Brücke parallel zum Ufer über den Pazifik, unter uns brechen die Wellen, über uns gleiten Pelikane im Passatwind. Die Stadt erwacht, der Lärm beginnt, doch schon bald lassen wir sie hinter uns. Nördlich von uns liegt jetzt eine grasbedeckte Hügellandschaft, die zur Küstenkordillere hin Richtung Karibik ansteigt. Palmen und einige Bäume mit mächtigen Kronen gliedern das großartige Panorama. Um die Mittagszeit werden sich die großen Viehherden in den Schatten dieser Bäume zurückziehen. Wir fahren auf der Panamericana, jener Traumroute von Alaska bis Feuerland. Die Straße wird jetzt schmaler, sie ist mit Schlaglöchern übersät, wir werden kräftig durchgeschüttelt. Auf klappernden Brücken geht es über zahlreiche Flüsse, die von dichten Wäldern in üppigem Grün gesäumt werden.

Vor uns taucht der Lago Bayano auf, ein großer Stausee, aus dem unter anderem der Panamakanal gespeist wird. Hunderte von Inseln sprenkeln die Oberfläche, kleine Biotope aus Wasserhyazinthen und anderen Schwimmpflanzen werden von Reihern aufgesucht. Im klimatisierten Auto fahren wir an Dörfern von Embera-Indianern vorbei. Die einfachen Hütten sind mit Palmblättern gedeckt. Sie stehen auf Stelzen aus hartem Mangrovenholz. Selbst Termiten würden sich daran die Zähne ausbeißen. Bunte Stoffe wehen im Wind, Hühner picken am Boden, Pferde warten - geduldig das Gewicht auf drei Beine verlagert. Auch wir machen Pause. Zum Frühstück gibt es Hojaldres (ausgebackene Fladen) und Tortillas de Mais (Maisomelette), frittiert, wie das Meiste, was hier in Panama gegessen wird. Nur Jesus muss sich zurückhalten. Die Zeitung hat ihre Wirkung noch nicht entfaltet.

Nach der Stärkung treffen wir uns mit Pedro Garay, dem Forstingenieur von BARCA, unserem kanadischen Partner für Forstdienstleitungen. Pedro ist ein Panamaer, der mit einem deutschen Stipendium in Honduras Forstwissenschaft studiert hat. Er führt uns durch die Baumschule. Fruchtbarer Boden wird von seinen Mitarbeitern an den Flussufern abgegraben, gesiebt und mit Reishülsen vermengt zu großen Haufen aufgeschüttet. Einige Frauen sind damit beschäftigt, die Anzuchterde in schwarze Plastiktüten zu füllen. In diese Erdtüten werden die Keimlinge der ForestFinance-Forste getopft.

Weiter geht’s, wir haben noch eine Stunde Weg vor uns. Die Straßenkont-rollen werden häufiger, immer wieder müssen wir anhalten, uns ausweisen und der Polizei den Zweck unserer Reise erklären. Wir befinden uns jetzt im Darién, der östlichsten und am wenigsten erschlossenen Provinz Panamas. Bis Kolumbien sind es noch hunderte von Kilometern, trotzdem gilt die Gegend hier schon als Grenzgebiet. Bald wird die Panamericana in Sumpf und Urwald enden. Da man sich die Probleme Kolumbiens nicht ins Land holen möchte, besteht von Seiten Panamas keinerlei Interesse, diese Lücke in der Panamericana zu schließen.Wir lassen den Wagen stehen, die letzten etwa 500 Meter bis zum Ziel geht es zu Fuß.

Frank Bettgenhäuser staunt über das schnelle Wachstum der erst 15 Monate alten Bäume, die ihn bereits ein gutes Stück überragen

Ein besonderer Augenblick: Zum ersten Mal betreten Bettgenhäusers ihre Finca Meteti 1, vier Hektar Land, die sie 2007 als Investment von ForestFinance erworben haben. Der grünbunte Baumgarten lässt ihre Augen aufleuchten. Zwischen mächtigen Überhältern und eleganten Palmen streben die jungen Setzlinge der Sonne entgegen. Sie sind seit 15 Monaten in der Erde.

Uns kommt Fulvino entgegen; er ist der Aufseher. Täglich ist er auf der Finca unterwegs und kennt hier jeden Baum. Fulvino erklärt uns, dass unerwünschter Aufwuchs alle paar Wochen mit Macheten beseitigt werden muss. In den Tropen erreichen Gras und andere konkurrierende Pflanzen in weniger als zwei Wochen Kniehöhe, die Wuchsleistungen sind enorm. Das Schnittgut bleibt liegen, als Mulchdecke schützt es den Boden vor der Sonne und tropischen Gewittergüssen, die unteren Schichten verrotten zu Humus. Penibel achtet Fulvino darauf, dass auf einem vier Meter breiten Gürtel entlang der Grundstücksgrenzen der Aufwuchs kurz gehalten wird. Dieser Streifen ist die Überlebensgarantie, er schützt die Aufforstung vor dem Übergreifen von Buschfeuern.

Wir besichtigen eine Anpflanzung von Amarillos (Terminalia amazonas), deren Name von der leuchtend gelben Farbe des Holzes herrührt. Über einen Bach, auf einem Baumstamm balancierend, geht es zum Quartier der Zorros (auch Ron Ron genannt, Astronium graviolens), der Füchse. Ob der Name dieser Baumart wohl auf die rotfarbig und buschig wie ein Fuchsschwanz austreibenden Keimblätter zurückzuführen ist?

Dankbar bemerken wir, wie ein paar Wolken aufziehen und uns die knallende Sonne vom Leib halten. Zwischen Zorro, Amarillo und Konsorten sind ein paar Caoba (Swietenia macrophylla, Amerikanischer Mahagoni) gepflanzt, um einer Schmetterlingsart, deren Raupen die Triebspitzen befallen, das Auffinden der jungen Bäume zu erschweren. Auch „baumchirurgisch“ müssen die Mitarbeiter von BARCA tätig werden. „Arbol que crece torcido nunca su tronco endereza“, weiß Fulvino – ein Baum, der krumm wächst, bekommt nie einen geraden Stamm. Schiefe Bäumchen werden gestützt, krumme gerade gebogen und geschient. Ist der Leittrieb abgebrochen oder abgefressen, werden Seitenäste hochgebunden, die dann eine neue Spitze bilden. Besonders in den ersten Jahren erfordert ein erfolgreiches Wachstum der Plantagen genaue Beobachtung und gewissenhafte Arbeit.

Aber die Natur belohnt diesen Einsatz. Frank Bettgenhäuser ist beeindruckt von der professionellen Arbeit und intensiven Pflege, die seinen Bäumen zukommt. Selbst stattliche 1,93 m groß, freut er sich über die Setzlinge, die ihm nach 15 Monaten schon weit über den Kopf ragen. Er kann es kaum fassen, wie schnell die Bäume in Panama wachsen. Als jemand, der auch im Westerwald Forst besitzt, kann er direkt vergleichen. Während er in Deutschland Bäume fällt, die sein Großvater anno dazumal gepflanzt hat, wird er die ersten Bäume der Finca schon mit seinen Söhnen schlagen können.

Anschließend erkunden wir noch den Fluss, eine natürliche Grenze zur Finca vom Nachbarn, ebenfalls Kunde von ForestFinance. Ein zwanzig Meter breiter Uferstreifen auf beiden Seiten darf forstwirtschaftlich nicht genutzt werden, mit dieser Auflage schützt die nationale Umweltbehörde ANAM die Galeriewälder. Hier im Schatten ist es kühl, blühende Heliconien und Bromelien säumen den Weg.


Petra Bettgenhäuser freut sich mit zwei Forstarbeitern über ihre erste Ernte - ein paar frisch gepflückte Limonen von ihrer Finca, die sie in einer Samenhülse gesammelt hat.

Auf dem Rückweg pflückt Petra Bettgenhäuser zwei Limonen, die erste Ernte von der Finca. Sie legt die beiden Früchte in eine handgroße, feste Samenhülse, im Volksmund Olla de Mono - die Affenschüssel – genannt. Mitten auf dem Grundstück steht ein Mangobaum, an dem die unscheinbaren Blütenrispen treiben. Um von den süßen Früchten kosten zu können, müssen die Bettgenhäusers in ein paar Monaten wiederkommen.

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